Donnerstag, 12. April 2007

Denkzettel

Direkt neben unserem Redaktionsbüro fängt die Freiheit an. Nur eine Sicherheitstür trennt uns von einer Wendeltreppe, die auf der Höhe jedes Stockwerks eine kleine Plattform bildet, auf der man trefflich rauchen, sich unterhalten, die Sonne genießen oder zwischen zwei Texten mal kurz Luft schnappen könnte.
Betonung auf könnte. Denn die Tür ist scharf. Alarmgesichert.

Der unglückliche Umstand, dass wir immer noch Bauarbeiter auf dem Gang haben, hat uns dieser Tage aber das Geschenk einer offenen Sicherheitstür gemacht. Damit die Arbeiter ihr Zeug nicht mehr durch das ganze Haus tragen müssen. Aha. Das ist also ein Argument. Jedoch: dass ich ab und zu kurz Luft brauche, das ist keines. Wer macht hier eigentlich die Regeln? Aber ich schweife ab.
Die Tür war also temporär offen. Wir haben das exzessiv genossen. Leider macht unser Hausmeister immer gegen 16 Uhr Feierabend und offene Sicherheitstüren wieder zu. Aber ich habe blaue Augen und ein charmantes Lächeln. Also blieb die Tür noch eine Weile offen. Ich musste allerdings hoch und heilig versprechen, sie zuzuziehen, bevor ich nach Hause gehe.

Hrhm. Räusper. Ich rannte nach der Arbeit kopflos weg, denn ich hatte es eilig. An die Tür hab ich nicht mehr gedacht.

Heute morgen empfing mich unsere Redakteurin mit saurer Miene:
"Als du gestern Abend weg warst, ist der Hausmeister nochmal vorbeigekommen, um nach der Tür zu sehen. Jetzt ist er superböse auf dich. Der glaubt dir kein Wort mehr. Du hattest ihm geschworen, dass du die Türe zumachst, bevor du gehst ..." Mir rutschte das Herz in die Hose. Hausmeister Schmidt ist nämlich immer so lieb.
Egal, was man braucht, egal, wer um Hilfe ruft, er ist immer zu Stelle. Und dann tue ich ihm sowas an.

Kleinlaut saß ich auf meinem Stuhl und zerfleischte mich mit Selbstvorwürfen über meine Pflichtvergessenheit. Dann überlegte ich mir, wie ich das wieder gutmachen könnte.
Mit einer Tüte Schoko-Bons bewaffnet wollte ich schließlich los um bei ihm zu Kreuze zu kriechen.
"Wie dolle sauer ist er?", fragte ich die Redakteurin.
Da grinste sie niederträchtig.
"Hast du mir das etwa geglaubt? Natürlich war Herr Schmidt nicht nochmal da. Ich hab die Türe zugemacht, als ich gegangen bin."

Tja. Geschieht mir Recht. Jeder so, wie er's verdient.

1 Kommentar:

Faappy hat gesagt…

Eigentlich hätte SIE dir dafür eine Tüte Schokobonse schenken müssen. :D