Freitag, 2. Februar 2007

Goldenes Gestammel

Gestern Abend habe ich mit kranker Faszination die Verleihung der Goldenen Kamera angeguckt. Unglaublich! Dazu muss ich vielleicht erwähnen, dass ich in einem kleinen Dorf auf einem mittelhohen Berg wohne. Dort gibt es kein Kabelfernsehen. Nebenbei: Es gibt auch kein DSL, keinen Handyempfang und auch sonst wenig Anzeichen von Zivilisation. (Aber wir sind vor kurzem von den Bäumen gestiegen und haben uns Strom und fließend Wasser angeschafft ...)

Ja. Also. Abends komme ich dann gelegentlich müde nach Hause. Habe keine Lust auf Lesen, Putzen oder andere lustige Dinge. Meine DVDs kenne ich schon auswendig. Und die Malen-nach-Zahlen-Sets hab ich auch schon alle vollgepinselt. Also muss ich fernsehen. Bei nur 3 Programmen – über Antenne! – gibt es nicht besonders viel Auswahl. Karnevalssitzung im Ersten, Eisenbahnromantik im Dritten – bleibt also nur die Goldene Kamera. Dazu fallen mir ne Menge Adjektive ein. "Verlogen" trifft es vielleicht am besten. „Wir alle lieben dich“, sagt der Laudator zur Geehrten und die Kamera macht einen Schwenk durch das Haifischbecken ... äh, das Publikum. Klar! Zum Frühstück! Am schlimmsten sind aber die Simultanübersetzungen. Kaum macht ein nicht-deutschsprachiger Gast den Mund auf, wird er übertönt von einer penetranten Übersetzerstimme. Kann denn keiner Englisch? Lionel oder Nicolas sind im O-Ton doch wenigstens ETWAS interessanter. Ok, die Hauptzielgruppe von ARD, ZDF und SWR (Großelternfernsehen) ist vielleicht nicht so fremdsprachenaffin, das sehe ich ja ein.

Eine Sache würde mich mal brennend interessieren. Wie kommen eigentlich die Auszeichnungen zustande? Ich meine, wenn ein Glitzermensch mitkriegt, dass er für einen Oscar nominiert wurde, kommt er natürlich zur Verleihung. Aber wenn die Sekretärin der Hörzu-Jury bei Pierce Brosnan anruft und ihm sagt, er sei für Umweltschutzengagement nominiert, sagt er dann sofort: „Hey, Wahnsinn, ich komme“? Was, wenn er Nein sagt? Hätte die Jury für diesen Fall einfach einen Ersatzgewinner in petto? Außerdem: Wenn ICH irgendwann angerufen werde, lege ich mir eine hübsche kleine Rede zurecht. Lerne sie vorher auswendig. Vergesse keinen, dem ich danken muss und stammle vor allem vor dem Mikro nicht so rum. Mann! Den Abend hätte ich wohl doch besser mit Malen-nach-Zahlen verbracht.

7 Kommentare:

DasDaniel hat gesagt…

hehe. Jedes Jahr derselbe Mist bei der Goldenen Kamera ;-)

Elisabeth hat gesagt…

Uiii, der erste Kommentar! Danke! :-)

DasDaniel hat gesagt…

aber gerne :-)

Faappy hat gesagt…

Na sowas kennt man doch von drüben. ;) Wenn die Leute sich den Preis nicht persönlich holen können, weil sie zum Beispiel irgendwo Landminen aufsammeln oder Bottox gerade im Angebot ist, dann schicken sie ein kurzes Grußvideo.
ist zumindest bei dem ganzen MTV-Award-Gedöhns immer so.

Elisabeth hat gesagt…

@ faappy: Nee, so hatte ich das eigentlich nicht gemeint. Ich dachte eher, dass die Jury wahrscheinlich einen Notnagel hat. Dass also nicht der beschlossene, sondern der verfügbare Gewinner gewinnt...

Faappy hat gesagt…

Naja siehe meinen letzten Eintrag. ^___^ Instant-Promis aus dem Verlies

"Ian McKellen kann heute nicht? Naja dann bekommt eben Paris Hilton die olle Kamera."

So ungefähr stell ich mir das vor. ;)

Elisabeth hat gesagt…

Hehe! Genau!